Showdown am Runden Tisch?

Würselen. Ihr erklärtes Ziel ist nicht die Konfrontation, sondern die kurzfristige Einberufung eines Runden Tisches. Bei dieser Zusammenkunft soll die Verwaltung offen und transparent alle unklaren und strittigen Fragen zum als ÖPP-Projekt geplanten Neubau der Gesamtschule an der Krottstraße (Bebauungsplan 218) klären, bevor „es zu spät ist“.

 

Die Bürgerinitiative möchte mit ihren Einwänden Gehör finden. Sie versteht sich nicht als Gegener der Gesamtschule, sondern kritisiert den geplanten Standort. Foto: Daniela Lövenich

Das jedenfalls fordert eine im letzten Jahr gegründete Bürgerinitiative rund um Klaus Köhler, Marion Peters, Elfriede und Hans-Peter Drabent, Joachim Classen und Manfred Falkenstein. Die Zeit drängt. „Der Termin sollte vor der nächsten Sitzung des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses am 31. März und der Ratssitzung am 4. April stattfinden“, fordert Sprecher Klaus Köhler.

 

Keine Reaktion auf schriftliche Einwände bekommen

Die Bürgerinitiative will im Rahmen der im Januar erfolgten Offenlage des Bebauungsplanes zahlreiche Mängel ausgemacht haben, auf die man bereits im vergangenen Jahr mehrfach hingewiesen und keine Reaktion bekommen habe. Zu den daraus in erneut schriftlich eingereichten Fragen und Einwänden habe die Stadt bis heute keine Stellung genommen. Die beiden Gremien sollen nach Abschluss des Ausschreibungsverfahrens in den anstehenden Sitzungen über den Neubau beraten und entscheiden. „Noch könnte die Stadt ohne Gesichtsverlust zurückrudern und diesen Irrsinn stoppen“, sagen die Kritiker, die sich in keiner Weise als Gegner der Gesamtschule verstanden wissen wollen. „Wir sind nur Gegner des Standorts“, sagt Elfriede Drabent klar. Für die Bürgerinitiative ist die Sanierung und Erweiterung des Realschulgebäudes an der Tittelsstraße die geeignetere Alternative.

Auf einer extra einberufenen Pressekonferenz im Sportheim des VfR stellte die Gruppe ihre auf den Standort Krottstraße bezogene Mängelliste vor. Die Eignung des Geländes sei nicht sachgerecht untersucht, die Lärmbelästigung und Abwasserproblematik nicht geklärt worden. Mögliche Kosten für die Entsorgung im Boden gefundener Giftstoffe seien ebenso unklar wie der erforderliche Ersatz für den Schul- und Vereinssport, solange der geplante Sportpark neben dem Aquana nicht existiere. Besonders heftig kritisiert wurde die Reduzierung des ursprünglichen Flächenbedarfs für das Schulgebäude um etwa ein Fünftel, damit der Neubau in den anvisierten Kostenrahmen von 28 Millionen Euro passe. „Anstatt mit großzügigem Gelände und umbaufähigem Gebäudebestand an der Tittelsstraße zu arbeiten, kürzt man einfach den Raumbedarf und plant die Schule von Anfang an zu klein“, wundert sich Köhler.
Ein weiterer strittiger Punkt sind für die Bürgerinitiative die Auswirkungen auf den Verkehr, die eine Schule der geplanten Größenordnung am Knotenpunkt Willy-Brandt- Ring/Krottstraße/Friedrichstraße nach sich ziehen würde.

 

Eigene Berechnungen zum Verkehr erstellt

Die Stadt habe kein richtiges Gutachten, sondern lediglich eine „Verkehrsuntersuchung“ erstellen lassen, deren Ergebnisse die Gruppe nicht gelten lässt. Dabei beruft sie sich auf eigene Erhebungen und Erkenntnisse des hinzugezogenen Diplom-Bauingenieurs Gottfried Tropartz, der am 20. Januar von 7.35 bis 8 Uhr morgens eine eigene Zählung vorgenommen hat. Insgesamt 770 Autos, zwei Busse und zwei LKW passierten die Stelle in 25 Minuten – das ent- spricht einem Fahrzeugaufkommen von knapp 31 pro Minute und liegt deutlich über dem Durchschnittswert, der in der offiziellen Verkehrsuntersuchung ermittelt wurde. Tropartz – der kein Anwohner ist und sich als neutraler, aber sachkundiger Bürger versteht – kam jedenfalls zu der Erkenntnis, dass der Verkehrsknoten schon heute zu Stoßzeiten deutlich überlastet sei. „Und genau zu diesen Stoßzeiten soll nach Auslegung der Verwaltung künftig ein dank Gesamtschule noch deutlich höheres Verkehrsaufkommen plötzlich nicht mehr zu Problemen führen. Wie das funktionieren soll, ist mir schleierhaft“, gab Michael Jochmann von den Grünen zu bedenken. Die Oppositionspolitiker von Bündnis90/Die Grünen, UWG und FDP unterstützen die Bürgerinitiative, ebenso die Sportvereine Rhenania Würselen und VfR Würselen, die an ihren bisherigen Sportplatz- Standorten festhalten wollen.

UWG-Ratsmitglied Ralf Niederhäuser hat als Privatperson einen Einspruch gegen den Bebauungsplan 218 getätigt und behält sich vor, den Rechtsweg zu beschreiten und die Rechtslage gerichtlich prüfen zu lassen. „Es ist nicht zu verstehen, dass die Große Koalition mit dem Kopf durch die Wand will. Noch kann das Steuer in die richtige Richtung gedreht werde: Weg von der Krottstraße! Noch sind die bisher rausgeworfenen Gelder zu verkraften. Fehler macht jeder, man sollte aber die Chance auf eine Berichtigung nutzen. Das wäre keine Schande“, findet er. Ein Einspruch vor dem Verwaltungsgericht könne ein kompliziertes und langwieriges Verfahren werden, das im Rahmen einer Normenkontrollprüfung bis zum Bundesverwaltungsgericht gehen könnte. „Das kann keiner wollen“, so Niederhäuser.

Die Bürgerinitiative fordert eine offene Diskussion der Bebauungsplanung mit einer Offenlage der kompletten Erschließungskosten und den Folgekosten, die nicht im Investitionsvolumen von 28 Millionen Euro enthalten seien. „Transparenz ist erforderlich. Der Bürger muss erkennen können, was die Entscheidungen des Rates tatsächlich kosten“, schließt Klaus Köhler. Die Verwaltung solle nun zu einem Runden Tisch einladen, um über alle Punkte zu diskutieren. Die Fronten sind so verhärtet, dass ein unparteiischer Mediator nach Möglichkeit die Gespräche leiten soll. (löv)

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