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Unverzüglicher Stopp der angekündigten Rodungsmaßnahmen am Kapellenfeldchen

Vor wenigen Tagen wurden wir über die Presse darüber informiert, dass der gesamte Pappelbestand am Kapellenfeldchen aus Gründen der Verkehrssicherung gerodet werden soll. Verwunderlich ist, dass alle Pappeln auf einmal zeitgleich morsch sein sollen und daher an dieser, für den Artenschutz so sensiblen Stelle, ein Kahlschlag erfolgen soll.

Beitrag vom: 07.10.2018

 

Unser Antrag:
Diese Pappeln werden seit langem von der letzten (!) großen Saatkrähenkolonie im Nordkreis als Brutplätze genutzt. Saatkrähen sind eine, nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), streng geschützte Tierart.

Gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG ist es verboten, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,

Durch die Rodung des gesamten Pappelbestandes werden die Brutplätze der streng geschützten Saatkrähenkolonie vollständig entfernt. Dies kann u.E. nicht ohne vorherige umfangreiche und  fachgutachterliche Prüfung und ohne entsprechende Ausgleichmaßnahmen für den Erhalt der Kolonie erfolgen.

Wir fordern Sie daher auf, die Einleitung der angekündigten Rodungsmaßnahmen in Absprache mit dem Umweltamt unverzüglich zu stoppen. Hier ist besondere Eile geboten, damit durch eine vorschnelle  Abholzung keine unwiderruflichen Tatsachen geschaffen werden.

Aufgrund der Vorgabe auf dem BNatSchG sollte die vollumfängliche Rodungsmaßnahme angemessen fachlich vorbereitet und fachgutachterlich geprüft werden.

Wir bitten daher um Auskunft darüber, welcher Gutachter (Name und Ausbildung, die zur Baumkontrolle befähigen) die Vitalität der Bäume beurteilt hat.

Sollte die bisherige Begutachtung nicht durch einen zertifizierten Gutachter geschehen sein, beantragen wir, diese Kontrolle zur Vitalität des Pappelbestandes durch einen unabhängigen zertifizierten Fachgutachter kurzfristig durchführen zu lassen. Hierbei sollte es sich um einen erfahrenen und zertifizierten Baumkontrolleur handeln, der die Standsicherheit der Bäume umfangreich, auch ggf. mit technischem Gerät prüft.

Wir bitten Sie darum, uns kurzfristig das vollständige Ergebnis der bisherigen zukommen zu lassen.

Wir bitten zudem, eine Stellungnahme der Städteregion Aachen (Umweltamt) einzuholen, wie nach dem etwaigen Entfernen (ganz oder teilweise) der Brutplätze der zu schützenden Kolonie verfahren werden soll und welche ganz konkreten Ausgleichsmaßnahmen kurz und mittelfristig erfolgen sollen.

Bereits im Jahr 2013 wurde im Rahmen des BP-Verfahrens  (VO/13/0357) massiv von Seiten des Umweltamtes, der Grünen Fraktion und den Vertretern der Naturschutzverbände im Ausschuss für Umwelt- und Stadtplanung kritisiert, dass die durch die Städteregion angeratene Abstandslinie in mehreren Stufen planungsseitig durch die Stadt Würselen bis auf ein Minimum verkürzt wurde. Die dabei in Zukunft auftretenden Probleme, insbesondere für die dann unmittelbar an den Pappeln stehenden Häusern, waren deutlich absehbar.

Die Einwände wurden jedoch mehrheitlich im Ausschuss abgelehnt. Nun, nur 5 Jahre später tritt der Zustand ein, den die Bedenkenträger zuvor prognostiziert haben: Aufgrund der Verkehrs-sicherungspflicht erfolgt ein Kahlschlag und die Saatkrähenkolonie wird massiv in ihren Fortbestand gefährdet.

Wir beantragen daher, auf die Tagesordnung des nächsten Stadtentwicklungsausschusses folgenden Beschluss zu setzen:

Die Stadt Würselen wird als Ausgleich für den gerodeten Pappelbestand am Kapellenfeldchen einen ökologischen Ausgleich erbringen. Dieser Ausgleich soll im räumlichen Zusammenhang zu den Eingriffsmaßnahmen stehen und kurzfristig umgesetzt werden. Die Kosten für diese Maßnahmen werden von der Stadt Würselen getragen.

Wäre der Ausschuss vor 5 Jahren den Empfehlungen des Umweltamtes sowie den Sprechern der Naturschutzverbände gefolgt, so wäre eine vollständige Rodung der Pappeln zum heutigen Zeitpunkt nicht notwendig. Die Stadt hat durch die massive Bebauung und das unverhältnismäßige heranrücken an die Pappeln große finanzielle Gewinne erwirtschaften können. Dies geschah jedoch zu Lasten der Naturschutzbelange, in diesem Falle der streng geschützten Krähenkolonie. Die Erbringung eines ökologischen Ausgleichs soll die damalige Fehlentscheidung, zumindest zu einem kleinen Teil, kompensieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Renate Knauf                                             Werner Schneider
Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/ Die Grünen           Naturschutzbund Deutschland